Wissenschaftlicher Sammelband, herausgegeben von Thomas Tinnefeld - unter Mitarbeit von Christoph Bürgel, Ines-Andrea Busch-Lauer, Frank Kostrzewa, Michael Langner, Heinz-Helmut Lüger, Dirk Siepmann. Saarbrücken: htw saar 2014. ISBN 978-3-942949-05-7.
Vorwort der Herausgeber

Die vorliegende Publikation widmet sich dem Fremdsprachenunterricht, wie er sich im Spannungsfeld zwischen Sprachwissen und Sprachkönnen darstellt. Sie bezieht sich somit auf einen Bereich, der die vergangenen Jahrzehnte der gesteuerten Fremdsprachenvermittlung zur Reflexionsbasis wählt und innerhalb dessen der Fremdsprachenunterricht sich immer wieder neu verortet hat und notwendig weiterhin neu verorten muss. Der Bezug liegt hier auf den beiden Eckpunkten eines imaginären Kontinuums, das im Fremdsprachenunterricht permanent präsent ist - wenn auch oft nur in latenter Form.

Die neuere Geschichte des Fremdsprachenunterrichts ist geprägt von einer Pendelbewegung zwischen den beiden oben erwähnten Eckpunkten dieses Kontinuums: der bereits im 19. Jahrhundert entwickelten, jedoch bis weit in das 20. Jahrhundert hinein praktizierten Grammatik-Übersetzungsmethode auf der einen Seite und der zentralen Ausrichtung an der Notion der kommunikativen Kompetenz auf der anderen Seite - mit all den verschiedenen Ausprägungen des Fremdsprachenunterrichts, die zwischen diesen beiden Extrempunkten angesiedelt sind. Für diese Zwischenstadien seien hier beispielhaft die audiolinguale Methode einerseits und der Ansatz der Aufgeklärten Einsprachigkeit andererseits genannt, innerhalb dessen eine Vereinigung zwischen fremdsprachlichem Wissen und fremdsprachlichem Können versucht wurde.

Die Überbetonung des Sprachkönnens in den vergangenen Jahrzehnten hat dazu geführt, dass die (ehemaligen) Schüler1 und Fremdsprachenlerner in der Fremdsprache bisweilen zwar sehr kommunikativ agieren können, dies jedoch mit so zahlreichen sprachlichen Verstößen tun, dass diese Kommunikation durch eben diese Verstöße oft nicht nur gestört, sondern nachgerade verunmöglicht wird. Anhand dieser kurzen Beschreibung, in der das sich darstellende Problem bewusst ein wenig überzogen dargestellt ist, wird deutlich, dass eine rein "kommunikative" Kompetenz nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann. Die entgegengesetzte Position - eine gute bis sehr gute Beherrschung des systematischen Inventars der zu erlernenden Fremdsprache, bei der jedoch von deren praktischer Anwendung abgesehen wird und die dazu führt, dass die Lerner theoretisch zwar nahezu perfekte sprachliche Äußerungen tätigen könnten, dies aber in der Praxis nicht tun, da sie sich davor fürchten, Fehler zu produzieren - ist ebenso wenig der Weisheit letzter Schluss. Die wissenschaftliche und fremdsprachendidaktische Wahrheit muss auf einem noch näher zu definierenden Punkt in der Mitte zwischen den beiden genannten Extremen liegen. Und in der Tat scheint die Entwicklung derzeit von der reinen Kommunikation im Fremdsprachenunterricht - einem dominant verstandenen Sprachkönnen - weg zu gehen und sich wieder mehr solchen Ansätzen zu öffnen, in denen auch dem Sprachwissen ein breiterer Raum gegeben wird.

Eben diese Problematik stand im Mittelpunkt der 2. Saarbrücker Fremdsprachentagung, die vom 7. bis 9. November 2013 an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes stattfand. Der vorliegende Sammelband ist auf der Basis der auf dieser Tagung gehaltenen Vorträge entstanden, von denen einige hier in selektiver Form veröffentlicht werden.

Die vorliegende Publikation folgt dabei dem Peer-Review-Verfahren, bei dem jeder Beitrag von je zwei Herausgebern - dem Hauptherausgeber einerseits und den hier als Mitherausgebern fungierenden Sektionsleitern der 2. Saarbrücker Fremdsprachentagung andererseits - begutachtet und redigiert wurde. Die Auswahl und Publikation der einzelnen Beiträge entspricht somit internationalen Standards.

Der vorliegende Band gliedert sich in drei Hauptteile:
  • Fremdsprachendidaktische Ansätze
  • Didaktische Ansätze der Fachsprachenvermittlung sowie
  • Kommunikation und Interkulturalität im Fremdsprachenunterricht.

Im ersten Teil stehen vermittlungstheoretische und -praktische Überlegungen im Vordergrund, die sich auf den Fremdsprachenunterricht im Allgemeinen beziehen. Diese Phänomene werden hier durchweg auf die Gemeinsprache bezogen. Dort geht es beispielsweise um das Phänomen der Sprachlernkompetenz, die Vermittlung von Wortschatz und Sprachstrukturen, die Vermittlung der Orthographie sowie die Nutzung von Internet und Lernplattformen wie elektronischen Portfolios.

Da für die Vermittlung von Fachsprachen bisweilen solche Aspekte relevant sind, die sich nicht oder nur sehr indirekt auf die Unterrichtung und den Erwerb der Gemeinsprache beziehen lassen, wird dem fachsprachlich orientierten Unterricht im vorliegenden Band ein separater Teil gewidmet. In diesem Teil geht es um die Vermittlung von Sprachkompetenz und fremdsprachlichem Wissen, darüber hinaus jedoch auch um die Bewusstmachung konkreter Sprachphänomene, die Entwicklung von Curricula und neue Prüfungsformate.
Im dritten und letzten Teil der vorliegenden Publikation stehen solche Aspekte im Vordergrund, die bisweilen sprachpolitische Implikationen haben, in denen beispielsweise die Vermittlung der Kommunizierung von Gefühlen erforscht wird, in denen die Auswirkungen von Emotionen auf den Fremdsprachenlernprozess thematisiert und in denen interkulturelle Phänomene des Fremdsprachenerwerbs analysiert werden.

Auf alle hier publizierten Beiträge sei nun im Folgenden separat eingegangen. Der erste Hauptteil - Fremdsprachendidaktische Ansätze - wird eröffnet von dem Beitrag von Franz-Joseph Meißner, (Gießen), der auf der 2. Saarbrücker Fremdsprachentagung den Hauptvortrag hielt und dessen Reflexionen sich mit der Verbindung zwischen Sprachlernkompetenz und Transfer und - auf diesem Hintergrund - mit der Konstruktion kompetenzorientierter Aufgaben befassen. Diese Reflexionen macht er an der Geschichte der Fremdsprachendidaktik und der Sprachlehrforschung fest und verbindet den Begriff Transfer in seiner historischen Entwicklung mit dem modernen Ansatz des aufgabenbasierten Lernens, der zudem die Sprachlernkompetenz des Lerners fördert. Dabei erachtet er das reflexive Lernen als konstitutiv für das Autonome Lernen, an dem sich die moderne Wissensgesellschaft heutzutage zentral orientiert.

Mit Blick auf einen komplementären Aspekt des Fremdsprachenunterrichts wirft Günter Schmale (Metz, Frankreich) in seinem Beitrag die Frage nach der Vermittelbarkeit unterschiedlicher Typen von Phraseologismen auf und verneint diese in Bezug auf idiomatische Ausdrücke mit metaphorischem und / oder bildstarkem Charakter. Zur Begründung verweist er auf die mangelhafte linguistische und lexikographische Erfassung der in Rede stehenden Wendungen, auf deren komplexe Gebrauchsbedingungen, auf die breite Kluft zwischen dem durchschnittlichen Niveau der Lerner und dem stilistischen Niveau von Idiomen, deren tiefe kulturelle Verwurzelung, den Umgang mit Idiomen in Gesprächen von Muttersprachlern sowie deren syntaktische und / oder semantische Unregelmäßigkeiten.

Katharina Zipser (Innsbruck, Österreich) geht es in ihrem Beitrag um Überlegungen, wie sich ein integrativer und lernergesteuerter Wortschatzerwerb optimieren lässt. Es stellt sich u.a. die Frage, wie man eine Atmosphäre mitgestalten kann, in der Lerner weitgehend intrinsisch motiviert werden, ihr Wissen - und ganz speziell ihren Wortschatz - zu erweitern. Da reines Memorisieren didaktisch letztlich nicht zielführend zu sein scheint, werden alternative Vorschläge unterbreitet, die bedarfsgesteuert sind, an vorhandenes Wissen anknüpfen sowie auf individuelle Förderung angelegt und in einem sozial-kommunikativen Umfeld verankert sind.

Am Beispiel grammatischer Strukturen versucht Katrin Henk (Heilbronn), das Verhältnis von explizitem Sprachwissen und impliziten Lernvorgängen beim Fremdspracherwerb weiter zu klären. Ausgehend von einer Bestandsaufnahme, in der Hypothesen zur Aneignung von Sprachwissen und Sprachkönnen diskutiert werden, geht es vor allem um die Frage: Kann explizites Wissen über Sprache mehr oder minder natürlich stattfindende Spracherwerbsprozesse positiv beeinflussen, und, wenn ja, inwiefern? Referiert wird eine Auswahl von Ergebnissen, wie sie sich aus empirischen Erhebungen bei Achtklässlern eines baden-württembergischen Gymnasiums, die Französisch als zweite Fremdsprache lernen, ergeben haben.

Im Rahmen des fachfremdsprachlichen Deutschunterrichts an italienischen Hochschulen thematisiert Katrin Ziegler (Macerata, Italien) relevante Fragen der Orthographie. Ausgangspunkt ist dabei die - nicht überraschende - Feststellung, dass der Vermittlung einer normenkonformen Orthographie bislang keine wichtige Rolle im italienischen DaF-Unterricht eingeräumt wird und von daher zielsprachliche Texte eine hohe Fehlerquote aufweisen. Anhand eines Korpus schriftlicher Arbeiten italienischer Muttersprachler wird eine Fehlerdiagnostik vorgestellt, die sowohl Anhaltspunkte für fehlerhafte Schreiblernprozesse verdeutlicht als auch konkrete Hinweise für eine Fehlertherapie liefert.

Auch Isabelle Mordellet-Roggenbuck (Freiburg im Breisgau) beschäftigt sich mit orthographischen Fragen - allerdings am Beispiel des Französischen. In ihrem Beitrag geht es nicht zuletzt darum zu klären, inwieweit eine Beschäftigung mit dem orthographischen System des Französischen Lerner dazu bringen kann, über die Sprache zu reflektieren und ein grammatisches Bewusstsein zu entwickeln. Erläutert werden zunächst verschiedene Schwierigkeiten (und Paradoxa) der französischen Orthographie, wonach auf dieser Basis anhand eines exemplarischen Modells nach konkreten Verbesserungsmöglichkeiten der Orthographie-Vermittlung gesucht wird.

Ronald Kresta (Gießen) analysiert - ausgehend von der Definition dessen, was ein 'Fehler' sein kann - mögliche Fehlerquellen deutscher Studierender bei der Erlernung und Anwendung der englischen Sprache in fachbezogenen Kontexten. Seiner Ansicht nach sind zahlreiche Fehler und Fehlertypen auf einen negativen Transfer aus dem Deutschen zurückzuführen. Es besteht zudem die Gefahr der Fossilisierung von Fehlern. Auf diesem Hintergrund beinhaltet der Beitrag eine Übungsfolge zur Bewusstmachung von Fehlerquellen und zur Vermeidung von Fehlern.

Christoph Nickenig (Bozen, Italien) nimmt in seinem Beitrag das Prüfen und Messen der Sprachkompetenzen von Bewerbern, Studierenden, Dozenten und Verwaltungsangestellten der dreisprachigen Freien Universität Bozen in den Blick. Nach einer Einführung in das dreisprachige Modell der Universität präsentiert er die anerkannten Sprachzertifikate und die Formate der dort eingesetzten Sprachtests. Abschließend stellt der Autor Überlegungen zum Testen mehrsprachiger Kompetenz an, die über die gängige Praxis des isolierten Testens einer Sprache hinausgehen.

Um einen aufschlussreichen Ansatz zum Medieneinsatz geht es in dem Beitrag von Hans W. Giessen (Saarbrücken), nämlich um die visuelle Aufbereitung von Analyse-Ergebnissen zum Zwecke einer klaren und leicht verständlichen Informationsdarstellung. Den thematischen Hintergrund stellte dabei die aktuelle Diskussion des Einflusses des Englischen auf das Deutsche dar, der nach den hier vorgestellten Ergebnissen weitaus weniger dramatisch ist als häufig angenommen wird.

Karl-Hubert Kiefer (Berlin) und Monika Asztemborska (Warschau, Polen) behandeln in ihrem Beitrag einen weiteren Aspekt der digitalen Medien: ihren Praxisbezug zu der zukünftigen Berufswelt der Studierenden für den Fremdsprachenunterricht an Hochschulen. In diesem Zusammenhang geht es um authentische und motivierende Lernangebote, die durch das Internet in recht zugänglicher Form bereitgestellt werden können.

Monika Dorothea Kautenburger (Ulm) beschäftigt sich in ihrem Beitrag kritisch mit Unterrichtsbeispielen für den Interneteinsatz im universitären Fremdsprachenunterricht. Sie beschreibt dabei die vielfältigen authentischen und fremdsprachendidaktisch begründbaren Möglichkeiten des Internets für den Einsatz im Sprachunterricht anhand konkreter, in der Praxis erprobter Unterrichtsbeispiele.

Laura Pihkala-Posti (Tampere, Finnland) präsentiert multimodale interaktive E-Learning-Konzepte für den Unterricht Deutsch als Fremdsprache. Interessant sind hierbei zum Einen die interaktiven Möglichkeiten, die das Internet bietet und die über die schriftliche und mündliche Kommunikation bis hin zu interkultureller Kommunikation reichen, und zum Anderen die theoretischen Überlegungen der Autorin zur Einbeziehung des kinästhetischen Wahrnehmungskanals im Sinne eines holistischen multisensoriellen Lernens - auch und besonders im Rahmen einer ihr selbst entwickelten Sprachlern-Applikation.

Ein anderes internetbasiertes Projekt steht im Mittelpunkt des Beitrags von Bärbel Kühn (Bremen) und Jacqueline May (Stuttgart): das ePortfolio EPOS. Dabei geht es einerseits um eine erweiterte ePortfolio-Didaktik, in die die Möglichkeiten des Web 2.0 einbezogen werden, andererseits um die Idee der Bildung eines Netzwerkes zur Verbreitung der Philosophie von Sprachen- und Ausbildungsportfolios.

Auch Sigrid Behrent und Ilka Dönhoff (beide Paderborn) und Anikó Brandt (Bremen) behandeln das ePortfolio EPOS und setzen sich in ihrem Beitrag mit seinen vielfältigen, auf Dozenten- und Lernerebene bestehenden Möglichkeiten auseinander. Diese sind einerseits die klassischen Anwendungsmöglichkeiten in kursunabhängigen Lernkontexten und in traditionellen Sprachkursen, andererseits aber auch diejenigen in der Fort- und Weiterbildung von Dozenten. Hier handelt es sich somit letztlich um Lehrportfolios, was nicht zuletzt durch die Integration des Ausbildungsportfolios EPOSA verdeutlicht wird.

Im Rahmen einer Lehrwerkanalyse stellt Yi-Ling Lillian Tinnefeld-Yeh (Saarbrücken) die Einführung neuen Wortschatzes und der entsprechenden Schriftzeichen in drei Lehrwerken des Chinesischen aus China, Deutschland und Großbritannien dar, die der Niveaustufe A1 des GeR entsprechen. Dabei werden drei zentrale Aspekte in den Blick genommen: die Wortschatzdistribution und -darstellung, die hier anhand von Modalpartikeln und formelhafter Sprache exemplifizierte Natürlichkeit der Sprache, und die Behandlung der chinesischen Schriftzeichen. Abschließend präsentiert die Autorin didaktische Implikationen für eine weiter verbesserte Darstellung der Materie, wie sie sich aus einer Kombination der in den behandelten Lehrwerken verwendeten Ansätze ergeben könnte.

Mit der Textsorte Seminarvortrag beschäftigt sich Michael Klenner (Zwickau), und in deren Rahmen mit den inhaltlich-strukturellen Beziehungen zwischen dem jeweiligen, begleitenden Paratext und dem eigentlichen Vortragstext. Dazu werden Redemanuskripte, Präsentationsfolien und Handouts verschiedener Institutionen und unterschiedlicher Studiengänge untersucht. Paratexte folgen in ihrer Struktur generell der thematischen Ausrichtung der Folientexte, können aber redundante Informationen enthalten. Die Ergebnisse der Untersuchung sollen als Grundlage für ein technisches Konzept dienen, das die Produktion von Präsentationstexten erleichtern soll.

Den zweiten Hauptteil - didaktische Ansätze der Fachsprachenvermittlung - eröffnet der Beitrag von Maria Mushchinina (Mainz), in dem sie Ergebnisse ihres Forschungsprojektes zur fachkommunikativen Textrezeption juristischer Texte vorstellt. In dem vorliegenden Projekt wurde anhand russischer Verträge untersucht, wie typische Textsorteneigenschaften bei der Rezeption gewichtet werden. Dazu wurde in Befragungen erhoben, was einen Text zum Vertragstext macht und wie sich Textmanipulationen auf die Wahrnehmung der Textsorte auswirken.

Karl-Heinz Eggensperger (Potsdam) widmet sich ebenfalls der Problematik rechtswissenschaftlicher Texte, wählt jedoch eine stärker hochschuldidaktisch ausgerichtete Perspektive: Wozu eine Sammlung rechtswissenschaftlicher Vorlesungen für den Französischunterricht an Universitäten? Der Beitrag skizziert speziell die materiellen Grundlagen für fachbezogene Französischkurse ab Niveaustufe UNIcert® III. Nicht zuletzt geht es auch um die Frage, ob man Fachvorlesungen in der Fremdsprache grundsätzlich aus dem hochschulischen Fremdsprachenunterricht ausschließen kann oder sollte. Der Autor setzt auf das Konstruieren einer Brücke zwischen Fach- und Sprachcurriculum und gibt dazu eine Reihe detaillierter Anregungen.

Die juristische Fachsprache steht auch im Mittelpunkt des Beitrages von Inge Hudalla (Saarbrücken), die Vorschläge für einen Brückenschlag zwischen Sprache, Recht und Übersetzung macht. Die Ausführungen stützen sich auf das Sprachenpaar Deutsch-Französisch, wobei insbesondere das Vorkommen und der Gebrauch phraseologischer Wortverbindungen in der juristischen Fachsprache untersucht werden. Belegt durch verschiedene Beispiele aus dem zivilrechtlichen Bereich, zeigt die Autorin grundsätzliche Probleme auf, wie sie z.B. bei der Übersetzung von Rechtstexten immer wieder auftreten. Sie plädiert daher für eine prinzipielle Symbiose von juristischem, sprachlichem und translatorischem Wissen und Handeln.

Chris Sheppard (Waseda, Japan) stellt die Entwicklung eines Curriculums für den fachbezogenen Englischunterricht in Japan vor. Das von ihm entwickelte Modell erfordert neben einer genauen Bedarfsanalyse und der Analyse der Lernvoraussetzungen bei den Studierenden auch die konsequente Anwendung von Sprachlernprinzipien bei der Ableitung des Prozesses der Curriculumgenerierung.

Zuzana Tuhárska (Banská Bystrica, Slowakei) widmet ihren Beitrag der Vermittlung fachsprachlichen Wissens im Unterricht Deutsch als Fremdsprache an einer slowakischen Universität. Zunächst werden Prinzipien, Methoden und Inhalte für die Gestaltung eines Fachfremdsprachenkurses 'Statik im Slowakischen und im Deutschen' dargestellt, bevor ein Einblick in das Übungskonzepts des dafür entwickelten Lehrbuches gegeben wird.

Ines-A. Busch-Lauer (Zwickau) stellt in ihrem Beitrag die Möglichkeiten des Einsatzes von Science Slams und Poster Sessions im fachbezogenen Fremdsprachenunterricht Englisch und als Optionen für die Durchführung von Prüfungen vor. Im Ergebnis der Untersuchung zeigte sich, dass die Studierenden mit viel Engagement an die Bewältigung dieser praxisnahen Aufgaben herangingen und durch die motivierte Arbeit an authentischem Material sehr gute Prüfungsergebnisse erzielen konnten.

Im Zentrum des Beitrags von Marie Müllerová und Lysann Poláčková Schönherr (beide Hradec Králové, Tschechische Republik) steht die Frage nach der Motivation deutscher und tschechischer Schüler für den Erwerb des Tschechischen bzw. des Deutschen als zweiter Fremdsprache. Die Ergebnisse einer Befragung deutscher und tschechischer Lerner werden kontrastiv miteinander verglichen und zu anderen Parametern (Sprachkontakt, Erfahrungen, Vorstellungen) in Beziehung gesetzt. Abschließend werden die Ergebnisse der Untersuchung zu den sich aus den Forderungen der europäischen Sprachenpolitik ergebenden Postulaten in Relation gesetzt.

Beate Lindemann (Tromsø, Norwegen) und Johannes Brinkmann (Oslo, Norwegen) berichten in ihrem Beitrag von den Ergebnissen einer Untersuchung zu Geschäftsgesprächen zwischen deutschen Muttersprachlern und norwegischen Sprechern des Deutschen als L3. Die Verfasser kommen zu dem Ergebnis, dass die Schwierigkeiten solcher Gespräche sowohl in sprachlichen als auch interkulturellen Differenzen begründet sind. Sprachliche und kulturelle Probleme ergeben sich für die Sprecher des Deutschen als L3 insbesondere dann, wenn sie gegenüber Muttersprachlern moralische Bedenken verbalisieren wollen.

Andrea Bicsar (Innsbruck, Österreich) diskutiert in ihrem Beitrag die Relevanz des Emotionswortschatzes und die Bedeutung der Förderung der verbalen Emotionsdarstellung in der Zielsprache. In einer empirischen Pilotstudie an ungarischen Lernern wurde der Gebrauch emotionsbezeichnender Sprachelemente im Deutschen als Fremdsprache untersucht. Dabei können die potentiellen Schwierigkeiten von Lernern des Deutschen als Fremd- und Zweitsprache, so die Verfasserin, am besten über einen Vergleich der sprachlichen Emotionsdarstellung durch Muttersprachler des Deutschen und Lerner des Deutschen als Fremd- und Zielsprache ermittelt werden. Abschließend werden die zwischen den Lernenden festgestellten Unterschiede in der Fähigkeit zur verbalen Emotionsdarstellung mit lernerbiographischen Daten korreliert.

Tricia Pinkert-Branner (Kuna, USA) geht in ihrem Beitrag der Frage nach, welchen Einfluss Körperbewegung und Musik auf die Erlernung lexikalischer Einheiten, insbesondere lokaler Präpositionen, bei Fremdsprachenlernern des Spanischen haben. Dazu stellt sie eine Untersuchung vor, bei der eine Versuchslerngruppe einen von der Lehrkraft angeleiteten Tanz mit Instrumentalmusik, Präpositions-Wortschatz und Gesang durchführte. Eine Kontrollgruppe erhielt einen vortragsbasierten Unterricht mit den gleichen Inhalten. Beide Lerngruppen wurden unmittelbar nach der Unterrichtsstunde und eine Woche später einem Test unterzogen. In der durchgeführten Untersuchung konnten - im Gegensatz zu der häufig behaupteten Korrelation von Musik, Bewegung und Lernerfolg - keine signifikanten Effekte von Musik und Bewegung für den Fremdsprachenerwerb nachgewiesen werden.

Mariska Kistemaker und Peter Broeder (Tilburg, Niederlande) präsentieren in ihrem Beitrag die Ergebnisse zweier Studien, die die an Lernende gerichteten Anforderungen in der für den Unterricht relevanten „Schulsprache“ zum Gegenstand haben. Die Verfasser gehen in ihrem Beitrag davon aus, dass sich Schwierigkeiten mit der sprachlichen Vielfalt in multikulturellen Lernergruppen dann ergeben, wenn große Diskrepanzen zwischen der Schulsprache einerseits und der von mehrsprachigen Lernern zu Hause gesprochenen Sprache andererseits bestehen. Abschließend wird die praktische Relevanz des vorgestellten Schulsprachenmodells diskutiert.

Nadine Rentel (Zwickau) geht in ihrem Beitrag der Frage nach, wie Lernende im Fremdsprachenunterricht zu einem kulturell angemessenen sprachlichen Handeln befähigt werden können. Für die Untersuchung von Kommunikationsprozessen und die Analyse ihrer Unterschiede im deutschen und französischen Sprachraum werden die Internetseiten deutscher und französischer Hotels miteinander verglichen. Anschließend werden - basierend auf der durchgeführten empirischen Studie - didaktische Konsequenzen präsentiert.

Für Barbara Teuber (Dornburg / Saale) steht das interkulturelle Lernen im Rahmen des Fremdsprachenunterrichts im Mittelpunkt. Die Autorin betont den Facettenreichtum der dabei auftretenden Fragen und Probleme. Anhand konkreter Beispiele wird demonstriert, wie Lehrstoffe entwickelt werden können, die für die beteiligten Studenten relevant und interessant sind und bei denen es nicht allein um den Aufbau lexikalischer und grammatischer Kenntnisse geht. Dabei kann die Autorin auf diverse Erfahrungen mit multikulturell zusammengesetzten Lernergruppen zurückgreifen.

Abdel-Hafiez Massud (Frankfurt / Main) untersucht sprachliche Realisierungsformen des Sprechaktes Widersprechen im Deutschen und im Arabischen. Die Textbasis bilden Kommentare aus Online-Zeitungen und Online-Nachrichtenmagazinen. Im Mittelpunkt der Analyse stehen verbale Mittel und Maßnahmen, mit denen Sprecher in den genannten Sprachen Gesichtsbedrohungen abzuschwächen oder zu umgehen versuchen. Die Ergebnisse einer Korpusanalyse und einer Fragebogenauswertung sollen Anhaltspunkte für die Förderung der pragmatischen Kompetenz in der Zielsprache Deutsch liefern.

Ana Stipančević (Novi Sad, Serbien) stellt die Bedeutung audio-visueller Medien für das Fremdsprachenlernen in den Mittelpunkt ihrer Darlegungen. Dabei wird insbesondere auf die Bedeutung von Fernsehserien (soap operas) fokussiert, die es Lernern ermöglichen sollen, Einblick in Alltagssituationen und deren sprachliche Bewältigung zu erlangen. Gerade Fernsehserien stellen nach Ansicht der Autorin Wirklichkeitsausschnitte dar, die authentischen Kommunikationssituationen nahe kommen. Hierzu gehören ritualisierte Kommunikationsformen im privaten und beruflichen Alltag sowie geschlechtsspezifische Formen der Kommunikation.

Ji Ran (Metz, Frankreich) fokussiert in ihrem Beitrag auf die interkulturellen Besonderheiten des Erwerbs des Französischen durch chinesische Lerner. Im Kontext ihrer Untersuchung hat die Verfasserin die aktive Teilnahme chinesischer Lerner am Französischunterricht ermittelt und vergleicht die im chinesischen Kontext erzielten Ergebnisse mit denen aus dem französischen Kontext. Sie kommt zu dem Schluss, dass eine interkulturelle Bewusstheit von Lehrenden und Lernenden im Zentrum eines erfolgreichen Fremdsprachenunterrichts stehen sollte.

Nach dieser Übersicht über die in dem vorliegenden Band veröffentlichten Beiträge geht unser besonderer Dank an das Team von Thomas Tinnefeld, das während des Publikationsprozesses in seinem Auftrag und Namen nicht nur den Kontakt zu den Autoren hielt, sondern den Band auch akribisch Korrektur gelesen hat. Ganz herzlich sei hier Barbara Beyersdörfer, Stephanie Haldy-Schmolze, Corinna Huth, Eva Langenbahn und Claudia Servé gedankt. Unser Dank für den technischen Support geht des Weiteren an Michael Malburg und an Nathalie Rutsch. Zudem sei Thomas Tinnefelds wissenschaftlicher Hilfskraft Carolin Gierend für die Umsetzung des Layouts der vorliegenden Publikation gedankt. Unser Dank geht schließlich an Veronica Smith, die den englischen Abstracts den letzten Schliff gegeben hat.

Für eventuelle, trotz aller in die vorliegende Publikation investierten Arbeit noch verbliebene Fehler bitten wir hiermit um Verständnis. Diese lassen sich bei einer Publikation, an der einschließlich aller Beteiligten - von den Herausgebern über die Autoren bis hin zum Organisationsteam - insgesamt in etwa 50 Personen beteiligt waren, in realistischer Perspektive nicht immer vollkommen vermeiden.

Wir hoffen, dass die vorliegende Publikation einer breiten Leserschaft nicht nur eine anregende Lektüre sein wird, sondern auch zu weiteren theoretischen und praktischen Reflexionen über den Fremdsprachenunterricht führen und diesen weiter zu verbessern helfen wird.

Im Dezember 2014

Die Herausgeber

Thomas Tinnefeld (Saarbrücken)

Christoph Bürgel (Osnabrück)
Ines-A. Busch-Lauer (Zwickau)
Frank Kostrzewa (Karlsruhe)
Michael Langner (Freiburg (CH) / Luxemburg
Heinz-Helmut Lüger (Koblenz-Landau)
Dirk Siepmann (Osnabrück)
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1 Aus Gründen der Lesbarkeit der vorliegenden Publikation werden im Folgenden mehrheitlich die maskulinen Formen verwendet. Dies geschieht jedoch in dem Sinne, dass die Vertreterinnen der jeweils genannten Gruppen dabei implizit mitgenannt werden.